IPMA® Level B und A: Für wen lohnen sich die höheren Stufen?

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Sie leiten seit Jahren anspruchsvolle Projekte und fragen sich, ob sich der Schritt zu IPMA® Level B oder sogar Level A lohnt? Die beiden höchsten Zertifizierungslevel von IPMA richten sich an erfahrene Projektmanager sowie an Verantwortliche für komplexe Projekte, Programme und Portfolios. Grundlage der Zertifizierung ist die IPMA Individual Competence Baseline® (IPMA ICB®). In diesem Beitrag erfahren Sie, welche Voraussetzungen gelten, wie die Assessments ablaufen und woran Sie erkennen, ob eine der höheren Stufen zu Ihrer Rolle passt.

Das IPMA®-Zertifizierungsmodell im Überblick

Die IPMA-Zertifizierungsstufen der International Project Management Association (IPMA) umfasst vier Level, die unterschiedliche Erfahrungs- und Verantwortungsniveaus im Projektmanagement abbilden. Grundlage ist die IPMA Individual Competence Baseline® (IPMA ICB®), der internationale Kompetenzstandard für Projekt-, Programm- und Portfoliomanagement:

  • IPMA® Level D: Certified Project Management Associate – Einstieg in die Entwicklung von Projektmanagement-Kompetenzen
  • IPMA® Level C: Certified Project Manager – Projektmanagement in Projekten mit begrenzter Komplexität
  • IPMA® Level B: Certified Senior Project Manager – Verantwortung in komplexen Projekten, Programmen oder Portfolios
  • IPMA® Level A: Certified Project Director – strategische Verantwortung im Projekt-, Programm- oder Portfoliomanagement

Mit zunehmendem Level steigen die Anforderungen an Erfahrung, Verantwortung und Komplexität. Im Mittelpunkt steht dabei nicht nur, was Sie über Projektmanagement wissen, sondern wie Sie Ihre Kompetenzen in der Praxis einsetzen und reflektieren können. Die Zertifizierung selbst wird in Deutschland von der GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e. V. über die Zertifizierungsstelle PM-ZERT durchgeführt:

IPMA® Level B: Verantwortung in komplexen Projekten, Programmen und Portfolios

IPMA Level B trägt den Titel „Certified Senior Project Manager“. Der zentrale Unterschied zu Level C liegt in der Komplexität der Projekte: Während Level C Projekte mit begrenzter Komplexität abdeckt, weisen Sie auf Level B nach, dass Sie komplexe Projekte erfolgreich führen – also Vorhaben mit vielen beteiligten Organisationseinheiten, hoher fachlicher und sozialer Dynamik, bedeutendem Budget und strategischer Relevanz.

IPMA® Level B Voraussetzungen

Für die Zulassung gelten anspruchsvolle Kriterien:

  • Mindestens fünf Jahre Erfahrung als Projektleitung, davon mindestens drei Jahre in einer verantwortungsvollen Führungsfunktion in der Leitung komplexer Projekte
  • Nachweis der Komplexität: Sie belegen anhand definierter Kriterien, dass Ihre Referenzprojekte tatsächlich komplex waren – etwa hinsichtlich Stakeholder-Vielfalt, Teamgröße, Schnittstellen, Unsicherheit und strategischer Bedeutung
  • Aktuelle Praxis: Die relevante Erfahrung muss innerhalb der letzten Jahre erbracht worden sein

Das Assessment umfasst eine schriftliche Prüfung, einen ausführlichen Bericht über ein komplexes Referenzprojekt sowie ein intensives Interview mit zwei Assessoren. Die Assessoren prüfen dabei, wie Sie Führung, strategische Ausrichtung, Krisensituationen und Stakeholder-Landschaften tatsächlich gemeistert haben. Ein reines Auswendiglernen von Methoden reicht dafür nicht aus. Entscheidend ist, wie Sie Ihre Kompetenzen in komplexen Projektsituationen anwenden, Entscheidungen begründen und Ihre eigene Praxis reflektieren.

Für wen lohnt sich IPMA® Level B?

IPMA Level B ist vor allem für Projektmanager interessant, die komplexe Projekte eigenverantwortlich führen und ihre dabei erworbenen Kompetenzen systematisch reflektieren und auf hohem Niveau nachweisen möchten.

IPMA® Level A: Strategische Verantwortung in Projekten, Programmen oder Portfolios

Der IPMA Level A – „Certified Project Director“ ist die höchste Stufe des Zertifizierungsmodells. Auf Level A steht nicht mehr die Steuerung eines einzelnen Projekts im Mittelpunkt, sondern die Fähigkeit, Programme und Portfolios strategisch zu gestalten, Zusammenhänge auf Organisationsebene zu berücksichtigen und Projektverantwortliche zu führen und weiterzuentwickeln.

IPMA® Level A Anforderungen

IPMA Level A richtet sich an erfahrene Verantwortliche im Projekt-, Programm- oder Portfoliomanagement, die in einem hochkomplexen Umfeld auf strategischer Ebene agieren. Neben der formalen Berufserfahrung geht es daher vor allem darum, wie Sie Verantwortung übernehmen, Entscheidungen gestalten und Ihre Kompetenzen in komplexen Situationen einsetzen.

  • Erfahrung und Verantwortung: Vorausgesetzt werden mindestens fünf Jahre Erfahrung in der Leitung hochkomplexer Projekte, Programme oder Portfolios. Davon müssen mindestens drei Jahre auf strategischer Ebene liegen.
  • Strategische und unternehmerische Verantwortung: Auf Level A geht es nicht mehr allein darum, einzelne Projekte erfolgreich zu steuern. Im Mittelpunkt steht die Fähigkeit, Projekte, Programme oder Portfolios im Kontext der Organisationsstrategie zu gestalten und zu steuern sowie unternehmerische Verantwortung zu übernehmen.
  • Leadership: Zum Anforderungsprofil gehört auch die Führung von Projekt-Führungskräften. Dabei geht es nicht nur um die direkte Führung einzelner Projektleiter, sondern um Leadership auf einer übergeordneten Ebene.

Auch die Zertifizierung auf IPMA Level A spiegelt diesen Anspruch wider. Nach der Zulassung und dem Konformitätsgespräch erstellen die Kandidatinnen und Kandidaten einen 25-seitigen Report. Darauf folgen ein Rollenspiel von etwa 240 Minuten, das sich über einen Arbeitstag erstreckt, und ein Interview von etwa 90 Minuten.

Im Assessment geht es damit nicht nur um die Darstellung bisheriger Projekterfahrung. Bewertet wird, wie Sie ihre Kompetenzen in anspruchsvollen und strategisch geprägten Situationen einsetzen, Entscheidungen begründen und Ihre Verantwortung als Führungskraft reflektieren.

Lohnt sich der Aufstieg? Eine ehrliche Einordnung

Für IPMA Level B und A muss die entsprechende Praxis bereits vorhanden sein. Die Zertifizierung schafft keinen Ersatz für diese Erfahrung, sondern macht die vorhandene Kompetenz strukturiert sichtbar und überprüfbar.

Der Weg zur Zertifizierung auf Level B oder A ist anspruchsvoll und erfordert neben dem Berufsalltag eine intensive Vorbereitung. Dazu gehören unter anderem die Auseinandersetzung mit der eigenen Projekterfahrung, die Erstellung der geforderten Unterlagen und die Vorbereitung auf das Assessment.

Dem stehen konkrete Vorteile gegenüber:

  • Differenzierung: Level B und A sind deutlich seltener als Level D und C. Die höheren Level richten sich an erfahrene Projekt-, Programm- und Portfolioverantwortliche und machen deren Kompetenz auf entsprechend hohem Verantwortungs- und Komplexitätsniveau sichtbar.
  • Belastbarer Nachweis: Das mehrstufige Assessment ermöglicht einen differenzierten Nachweis der eigenen Projektmanagement-Kompetenz.
  • Reflexionsgewinn: Viele Absolventen bewerten die intensive Auseinandersetzung mit der eigenen Führungspraxis als ebenso wertvoll wie das Zertifikat selbst.
  • Internationale Anschlussfähigkeit: Das IPMA-Modell ist in über 70 Ländern verbreitet – relevant für alle, die in internationalen Strukturen arbeiten.

Nicht lohnend ist der Schritt, wenn Ihre reale Rolle die Anforderungen nicht abdeckt: Wer keine komplexen Projekte oder Programme verantwortet, wird die Zulassungskriterien nicht erfüllen – und sollte zunächst die passende Verantwortung in der Praxis aufbauen. Die ehrliche Standortbestimmung ist deshalb der erste Schritt jeder Vorbereitung.

Welcher Level passt zu Ihnen? Eine Entscheidungshilfe

  • Sie haben mindestens drei Jahre Erfahrung in einer verantwortlichen Projektmanagement-Rolle bei moderat komplexen Projekten: IPMA® Level C kann die passende Stufe für Sie sein. Alternativ ist Level C auch mit drei Jahren verantwortlicher Teilprojektmanagement-Erfahrung in komplexen Projekten möglich.
  • Sie haben mindestens fünf Jahre Erfahrung in der Leitung von Projekten, Programmen oder Portfolios, davon mindestens drei Jahre im komplexen Umfeld: IPMA® Level B passt zu Ihrem Erfahrungs- und Verantwortungsniveau.
  • Sie haben mindestens fünf Jahre Erfahrung in der Leitung hochkomplexer Projekte, Programme oder Portfolios, davon mindestens drei Jahre auf strategischer Ebene: IPMA® Level A richtet sich an Ihr Erfahrungs- und Verantwortungsniveau.

Ein Einstieg direkt auf Level B oder A ist möglich – Sie müssen die unteren Stufen nicht durchlaufen haben. Entscheidend ist, dass Ihre nachweisbare Erfahrung den Anforderungen der jeweiligen Stufe entspricht.

Fazit: IPMA® Level B und A als Nachweis für fortgeschrittene Kompetenz im Projektmanagement

IPMA Level B und Level A lohnen sich für eine klar definierte Zielgruppe: erfahrene Senior-Projektmanager mit komplexen Projekten und strategische Programm- oder Portfolioverantwortliche. Wer die Voraussetzungen erfüllt, erhält mit dem kompetenzbasierten Assessment einen der anerkanntesten Nachweise im Projektmanagement – international verstanden und in anspruchsvollen Besetzungsentscheidungen zunehmend gefordert. Prüfen Sie zunächst ehrlich, welche Stufe Ihrer aktuellen Verantwortung entspricht, und planen Sie die Vorbereitung mit ausreichend Vorlauf.

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Häufige Fragen zu IPMA® Level B und A

Was ist der Unterschied zwischen IPMA® Level B und Level C?

Der wesentliche Unterschied liegt in Erfahrung, Verantwortung und Komplexität. IPMA® Level C richtet sich an Personen, die bereits mehrere Jahre Verantwortung im Projektmanagement übernommen haben – etwa in moderat komplexen Projekten. Für Level B sind mindestens fünf Jahre Erfahrung in der Leitung von Projekten, Programmen oder Portfolios erforderlich, davon mindestens drei Jahre in einem komplexen Umfeld.

Muss ich IPMA® Level C absolviert haben, bevor ich Level B anstrebe?

Nein. Sie können direkt den Level anstreben, dessen Voraussetzungen Sie erfüllen. Ein vorheriger Abschluss von IPMA® Level C ist keine Voraussetzung für Level B. Entscheidend sind Ihre nachweisbare Erfahrung, Ihre Verantwortung und die Komplexität der Projekte, Programme oder Portfolios, in denen Sie tätig waren.

Für wen ist IPMA® Level A gedacht?

IPMA® Level A richtet sich an erfahrene Projekt-, Programm- und Portfolioverantwortliche sowie an Führungskräfte in projektbasierten Organisationen, die auf strategischer Ebene Verantwortung übernehmen. Vorausgesetzt werden mindestens fünf Jahre Erfahrung in der Leitung hochkomplexer Projekte, Programme oder Portfolios, davon mindestens drei Jahre auf strategischer Ebene. Im Mittelpunkt stehen unter anderem die strategische Gestaltung und Steuerung, das Zusammenspiel von Projekt-, Programm- und Portfoliomanagement sowie Leadership.

 

Bildnachweis: alex / Stock.adobe.com

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